Winter über Nord- und Ostsee. 
Kälte.Schnee. Eis. Wochenlang. Monatelang.
Mutige genießen den Urlaub an kaltenStranden. 
Andere müssen Tag für Tag arbeiten.
Zum Beispiel die Seenotretter. Wen n'srausgeht, 
schützt das schwere Wetterzeug einwenig. 
Respekt hat der Seemann vor dem„black frost", 
dieser fliegenden Kälte, in der sich Gischt in Eis verwandelt, 
zentimeterweisedas Schiff umschließt. 
Zuviel davon, und es wird gefährlich. 
Der Schwerpunkt verlagert sich nach oben. 
Das Schiff wird dann kopflastig. Tag für Tag heißt es: Eis wegschlagen.
Gegen Ende Dezember dreht der Sturm auf Nordost. 
Bis acht Beaufort. „StürmischerWind" heißt es in der Tabelle. 
Hört sich gar nicht so heftig an... Aber wenn man draußen
auf dem Fahrstand steht, stundenlang, wird irgendwann auch 
das dickste Wetterzeug dünn. Und die Seenotretter? 
Seemänner mit außergewöhnlichen Fähigkeiten? 
Das hören sie nicht so gerne, sagen einfach: „Wir können
das - und wir machen das." Oder: „Wir sind da
hin, und hab'n die weggeholt." Das geht dann
auch mal bis abends, kurz vor Mitternacht.

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Nis Randers

(Otto Ernst, 1862-1926)

Krachen und Heulen und berstende Nacht,
Dunkel und Flammen in rasender Jagd -
Ein Schrei durch die Brandung !

Und brennt der Himmel, so sieht man 's gut:
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
Gleich holt sich's der Abgrund.

Nis Randers lugt - und ohne Hast
Spricht er: „Da hängt noch ein Mann im Mast;
Wir müssen ihn holen."

Da fasst ihn die Mutter: „Du steigst mir nicht ein!
Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,
Ich will's, deine Mutter!

Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
Drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
Mein Uwe, mein Uwe!"

Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!
Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
„Und seine Mutter?"

Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:
Hohes, hartes Friesengewächs;
Schon sausen die Ruder.

Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!
Nun muss es zerschmettern...! Nein: es blieb ganz! ...
Wie lange? Wie lange?

Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
Die menschenfressenden Rosse daher;
Sie schnauben und schäumen.

Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!
Eins auf den Nacken des ändern springt
Mit stampfenden Hufen!

Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
Was da?- Ein Boot, das landwärts hält -
Sie sind es! Sie kommen! -

Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt...
Still - ruft da nicht einer? - Er schreits durch die Hand:

„Sagt Mutter, 's ist Uwe!"

"Morgenrot bringt Water int Boot - Abendrot mooii Weer int Boot"
Vielleicht kennst auch Du diese plattdeutsche Wetterregel, die im Binnenland eher als "Morgenrot schlecht Wetterbot' - Abendrot gut Wetterbot' " geläufig ist. Die Wolkenfärbung ergänzt häufig den Seewetterbericht, ersetzen kann sie ihn natürlich nicht. Eine offizielle Sturmwarnung, d.h. erwartete Windstärken von 8 und mehr, bedeutet erhöhte Aufmerksamkeit für die gesamte Schifffahrt. Wer kann, läuft rechtzeitig den schützenden Hafen an. Da wundert sich manch einer, dass ihm ein auslaufendes Fahrzeug begegnet: Bei "Schietwetter" ist es nicht selten eines der Boote mit der roten Signalfarbe und dem Hansekreuz, volle Kraft voraus auf seinem Weg zum Rettungseinsatz. Wenn es um die Rettung von Menschenleben geht, ist für unsere Besatzungen kein Wetter zu schwer. Dass sie sich dabei auf sicherste und modernste Technik verlassen können, liegt insbesondere an Deiner finanziellen Unterstützung. Dafür möchten sich unsere Rettungsmänner und -frauen ganz herzlich bedanken.
Seenotretter müssen nicht nur manchen Stürm abwettern - wußtest Du, dass sie auch selbst "Wetter machen"? So heißt das an Bord, wenn es wieder Zeit ist, die Wetterdaten an die Wetterdienste zu geben. Ein ganz kleiner Beitrag zur allabendlichen Wetterkarte stammt also tatsächlich von Bord der Seenotkreuzer.